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Arbeitszeugnisse

tgm - thomas gehrig mentoring
Veröffentlicht von in Verdeckter Arbeitsmarkt · 17 Juli 2018
Tags: VerdeckterArbeitsmarktBlog


 
Liebe Lesende
 
 
Sie haben das Recht jederzeit ein Arbeitszeugnis bzw. ein Zwischenzeugnis vom Arbeitgeber zu verlangen. Dies macht Sinn, wenn Sie sich in einer Kündigungssituation befinden oder eben die Fühler auf dem verdeckten Arbeitsmarkt ausstrecken. Das Zwischenzeugnis unterscheidet sich im Wesentlichen nur in der Schlussformulierung vom abschliessenden Arbeitszeugnis. Der Arbeitgeber hat dies innerhalb einer vernünftigen Frist zu erledigen. In der Praxis ist es üblich, dass für längere Arbeitsverhältnisse Arbeitszeugnisse mit dem entsprechenden Detailierungsgrad ausgestellt werden, während für kürzere oder kurze Arbeitsverhältnisse (oft auch für temporäre Einsätze) lediglich eine Arbeitsbestätigung erfolgt, weil der notwendige Tiefgang, auf Grund der kurzen Dauer, ungenügend ist für ein klares und wahres Arbeitszeugnis. Hinweis: Sollten Sie temporär via private Arbeitsvermittler gearbeitet haben, so ist der Arbeitsvermittler in der Rolle des Arbeitgebers und damit Ansprechpartner. Die Firma, in der Sie gearbeitet haben, ist dabei lediglich der Einsatzbetrieb. Hier gilt ein anderer Vertrag zwischen Einsatzbetrieb und privatem Arbeitsvermittler als zwischen Ihnen und dem privaten Arbeitsvermittler.
 
 

Codierte Arbeitszeugnisse sind unzulässig und einige Firmen bekennen sich klar mit einer beispielhaften Formulierung wie „Wir bekennen uns zu uncodierten Arbeitszeugnissen“ dazu. Sollten diesbezüglich Zweifel bei Ihnen in der Formulierung des Arbeitszeugnisses entstehen oder sind Sie generell mit einer oder mehreren Formulierungen nicht einverstanden, empfehle ich Ihnen in erster Linie das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen. In mittleren und grösseren KMU ist hier meist das HR bzw. die Personalabteilung zuständig. Für die Lösungsfindung ist es hilfreich, wenn Sie nicht nur benennen, was Sie als störend empfinden, sondern konstruktiv gleichen einen oder mehrere Korrekturvorschläge unterbreiten.

 
Sollte mit dem Arbeitgeber keine befriedigende Lösung erreicht werden, bleibt Ihnen noch der Rechtsweg indem Sie Klage beim Arbeitsgericht einreichten. Üblicherweise führt das in einem ersten Schritt zu einer Schlichtungsverhandlung. Falls Sie sich nun einen Gerichtssaal mit schwarz gekleidetem Richter und Gremium vorstellen, dann irren Sie sich und ich kann Sie beruhigen. Schlichtungsverhandlungen, welche ich erlebt habe, fanden in einem normalen Besprechungszimmer statt, meist waren der „Richter“, eine protokollführende Person, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer anwesend. Öfters konnte ich beobachten, dass der „Richter“ mit Jeans und normalem Hemd anwesend war. Es geht eher locker zu, ist doch der Zweck dieses Zusammentreffens eine Einigung, welche oft von Kompromissen begleitet ist, zu erzielen. Damit kommen Sie schneller zum Ergebnis und die eigentlichen Arbeitsgerichte werden entlastet. Sollte sich keine Einigung erzielen lassen, verbleibt nur noch die Option der Einreichung der Klage vor dem ordentlichen Gericht. Spätestens an diesem Punkt würde ich Ihnen empfehlen juristischen Rat und Unterstützung einzuholen. Seien Sie sich bewusst, dass ab hier verschiedenste Kosten in entsprechender Höhe entstehen können. Auch die Prüfung, ob Ihre allenfalls vorhandene Rechtschutzversicherung Leistungen hierfür abdeckt, kann sich enorm lohnen.

 
 
Arbeitszeugnisse können aus den vielfältigsten Gründen fehlen und können möglicherweise auch wiederbeschafft werden. Der Arbeitgeber hat eine gesetzliche Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren (in einigen Kantonen: 5 Jahre). Eine Anfrage sollte daher genügen. Anders sieht es in den Fällen aus, wo die Frist (längst) abgelaufen ist, der Arbeitgeber verstorben, in Konkurs gegangen ist, etc. Eine ähnliche Problematik besteht für Personen, welche aus einer selbständigen Tätigkeit herauskommen bzw. dort wo diese aufgegeben werden wurde / musste. In allen diesen Fällen müssen Sie selbst aktiv werden und sich im Prinzip ein eigenes Arbeitszeugnis ausstellen. Jawoll, Sie haben richtig gelesen. Ein Arbeitszeugnis kann beispielsweise diese Gliederung aufweisen:

 
1.   Kurzbeschreibung der Firma (Tätigkeit, Grösse, etc.)
 
2.   Personalien und Anstellungsbeschreibung (Tätigkeit, Funktion, Dauer, etc.) der angestellten Person
 
3.   Leistung- und Verhaltensqualifikation
 
4.   Austrittsgrund
 
5.   Schlussformel

 
 
Diese Gliederung müssen Sie nun für Ihre Zwecke anpassen. Die Positionen 1 und 2 können Sie aus dem ff beschreiben. Die Position 3 ist nicht direkt umsetzbar, weil es wenig Sinn macht, Ihre eigene Leistung und das Verhalten zu qualifizieren. An dieser Stelle verweisen Sie auf entsprechende Referenzen. Auf das Thema „Referenzen“ gehe ich in einem der nächsten Beiträge gesondert ein. In der Position 4 benennen Sie den Austrittgrund (z.B. Tod des Inhabers) und verweisen klar und deutlich daraufhin, dass dieses Schreiben durch Sie mangels der üblichen Alternativen erstellt wurde. Die 5. Position decken Sie ab mit Ort, Datum und Unterschrift.

 
Den Titel „Arbeitszeugnis“ halte ich für ungeeignet und irreführend. Umschreiben Sie beispielsweise mit „Tätigkeitsbeschreibung“ oder ähnlich.

 
 
Selbstverständlich hat eine eigenerstellte Tätigkeitsbeschreibung nicht den gleichen Stellenwert wie ein korrekt erstelltes Arbeitszeugnis. Trotzdem verfügen Sie damit über ein Schriftstück, welches weitere und wertvolle Informationen liefert, die Zeitspanne X im Lebenslauf komplettiert und die Bewerbungsunterlagen vollständiger macht.



 
 
 
 
Autor: Thomas Gehrig
 
tgm – thomas gehrig mentoring
 
CH-9200 Gossau
 
Web: www.t-g-m.ch
 
E-Mail: thomas.gehrig@t-g-m.ch

 



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