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Motivationsschreiben

tgm - thomas gehrig mentoring
Veröffentlicht von in Verdeckter Arbeitsmarkt · 26 Juni 2018
Tags: VerdeckterArbeitsmarktBlog

Liebe Lesende
 
 
Rund 70% der Personaler sehen sich erst den Lebenslauf an und danach das Motivationsschreiben. Die anderen machen es logischerweise umgekehrt und beide Vorgehensweisen haben ihre eigene Berechtigung. Versetzen Sie sich in die Rolle des Personalers, welcher eine Hauswartstelle besetzten will. Hierfür sind diese Kill-Kriterien definiert: EFZ als Hauswart, Alter zwischen 25 und 35 Jahren, mindestens 5 Jahre Berufserfahrung, Führerschein B vorhanden. Eingegangen sind 100 Bewerbungen innert 48 Stunden.
 
Personaler A: Sichtet jede Bewerbung durch Anklicken des Lebenslaufs und checkt die 4 Kriterien ab. Passende Bewerbungen verschiebt er auf den Desktop, den anderen sendet er eine 0815-Absage zu.
 
Personaler B: Sichtet erst die einzelnen Motivationsschreiben, weil er den Menschen hinter der Bewerbung spüren will. Schliesslich stellt er nicht das eidgenössische Fähigkeitszeugnis, sondern den Menschen ein mit dem später tagtäglich zusammengearbeitet wird.
 
Beide Personaler verfügen nach dem ersten Prüfdurchgang über einen Dossierbestand, welcher weiter geprüft und auf die Menge der Personen reduziert wird, welche später zu einem Interview eingeladen werden.
 
Damit haben wir einen grundlegenden Unterschied herausgearbeitet: Der Lebenslauf stellt sozusagen das technische Datenblatt eines Produktes dar, das Motivationsschreiben präsentiert den Menschen und damit den Macher hinter dem Ganzen. Beide Positionen sind wichtig, keine kann und soll die Andere ersetzen. Ich persönlich gehöre in aller Regel zur Fraktion des Personaler B. Warum? Noch kann ich davon ausgehen, dass sich in der ganzen Menge der Bewerbungen genügend Dossiers befinden, welche die Kill-Kriterien erfüllen. Dies wird sich allerdings im Rahmen des heute schon stattfindenden Anwachsen des Arbeits- und Fachkräftemangels mit Sicherheit relativieren, wenn nicht ins Gegenteil drehen. Also sehe ich mir an, wer hier wirklich mit Begeisterung, eben Motivation geschrieben hat und einfach bloss einen Job (sprich Geld) haben will. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Rufen Sie sich in Erinnerung, dass ein Beruf sehr viel mit Berufung zu tun hat und erst in etwa dritter oder vierter Position mit Geld. Zudem gebe ich gerne zu, dass ich in meiner Karriere auch schon den nur drittbesten Kandidaten eingestellt hatte, weil mir die Werte sehr gut gefallen haben und ich im Rahmen der Personalentwicklung allenfalls fehlendes Know-how durchaus und in der gewünschten Richtung innert nützlicher Frist aufbauen und weiter entwickeln konnte. Dies im Rahmen einer kleinen Talentgewinnung und –förderung. Sie sehen also, dass es viele und noch viel mehr Überlegungen und Haltungen im Zusammenhang mit dem Thema „Motivationsschreiben“ geben kann. Sie, als Bewerbender wissen nie, welche Strategien gefahren werden und was schlussendlich zum Erfolg im Einzelnen beitragen wird. Darum gibt es meiner Ansicht nach nur eine Grobstrategie: Eine Bewerbung inkl. Motivationsschreiben zu liefern, welche sich gewaschen hat und auch den Anspruchsvollen zufrieden stellt und im Idealfall neugierig macht und evtl. sogar begeistert.
 
 
Vor vielen Jahren erhielt ich ein Bewerbungsschreiben mit einer Länge von fast 5 Seiten. OK, das war eine Fleissarbeit, die ich anerkennen kann. Zudem kenne ich nun die ganze Familiengeschichte der Bewerberin, weiss um alles was in diesem Leben schiefgelaufen ist und weiss noch viel mehr, was ich ebenfalls nicht wissen wollte. Im Ernst: Das Motivationsschreiben ist maximal eine Seite A4 lang. Unter Berücksichtigung der kaufmännischen Vorgaben an einen Musterbrief bleibt Ihnen gar nicht mehr so viel Platz um die eigene Botschaft einzufügen. Sie müssen sich damit zwangsläufig auf die wesentlichen Punkte konzentrieren und diese haarscharf formulieren. Der zur Verfügung stehende Platz ist ihr erster Feind.
 
 
Das Motivationsschreiben hat für mich inhaltlich diese drei Blöcke:

 
1.   Block mit dem Ziel der Motivation bzw. des Motivs. Im Rahmen von Bewerbungen im verdeckten Stellenmarkt können Sie hier ausformulieren, warum Sie sich auf den Weg der Neuorientierung gemacht haben, was Ihre persönlichen Ziele mit diesem Schritt sind, welche Kompetenzen Sie in der Übersicht in die Waageschale legen wollen und natürlich warum Sie an Hand von Fakten ausgerechnet für die angeschriebene Firma arbeiten wollen bzw. was diese so attraktiv für Sie macht.
 
In der Hauptsache geht es hier um die sogenannten intrinsischen Gründe. Dabei sollen Ihre Motivatoren und Antreiber ersichtlich oder spürbar werden.
 
 
2.   Der Werbeblock: Wir sehen uns in diesen einzelnen Blog-Beiträgen das Ganze aus der Optik des verdeckten Stellenmarktes an. Trotzdem werden Sie sich ab und zu auch auf eine ausgeschriebene Stelle hin bewerben, einfach weil das Ganze matcht und weil Sie genau diese Tätigkeit haben wollen. Darum lassen Sie uns hier kurz differenzieren:
 
Bewerbung auf eine ausgeschriebene Stelle: Hier ist es wichtig, dass Sie das Inserat gut gelesen haben, die Anforderungen bzw. die Kriterien kennen und innerhalb des „Werbeblocks“ darauf Bezug nehmen. 2 Positionen sind mir hier wichtig: a) Verwenden Sie das Wording des Arbeitgebers aus dem Inserat und versuchen auch den „Beweis“ anzutreten. Wenn beispielsweise ein erfolgreicher Verkäufer gesucht wird, dann reicht es einfach nicht den Satz zu wiederholen oder allenfalls noch auf eine 5-jährige Berufs- und Branchenerfahrung hinzuweisen. Werten Sie das Ganze auf indem Sie beispielsweise darauf hinweisen, dass für Ihren aktuellen Arbeitgeber z.B. 150 Verkäufer im Einsatz sind und Sie in den letzten drei Jahren immer zu den umsatzstärksten 5 Verkäufern gehört haben. Lassen Sie die Finger von der Nennung konkreter Zahlen! Aus dem Lebenslauf ist der Name des Arbeitgebers ersichtlich. Als Branchenkenner kann ich mir in ungefähr ausrechnen mit welchen Umsätzen Sie jongliert haben. Das reicht mir sicherlich fürs Erste. B) Verwenden Sie die gleichen Ausdrücke aus dem Inserat auch im Motivationsschreiben und im Lebenslauf. Das ist ganz wichtig, weil bei vielen grösseren und grossen Arbeitgebern Programme an der Selektion beteiligt sind, welche nach sogenannten Keywords suchen. Beispiel: Ein Arbeitgeber sucht einen Coach und das könnte eine Stelle für mich sein. Mit meiner Ausbildung zum „Betrieblichen Mentor“ bin ich da mit dabei, weil Coaching ein Bestandteil des Mentorings ist. Ein fataler Fehler wäre es nun, wenn ich im Motivationsschreiben und Lebenslauf wiederholt Begriffe wie „Mentor oder Mentoring“ verwende, die Maschine aber programmiert ist mit der Suche nach Begriffen wie „Coaching oder Coach“. Möglicherweise bin ich damit schneller aus dem Rennen als ich drin war und die Absage liegt schon Sekunden später im E-Mail-Postfach.  
 
 
Bewerbung im verdeckten Stellenmarkt: Im Gegensatz zu oben haben Sie hier kein Profil, an dem Sie sich orientieren können oder wollen und müssen selber kreativ werden. Das eingehende Studium der Website hilft hier oft ungeheuer weiter, auch Tante „Google“ bringt oft erstaunliche und sehr interessante Treffer hervor. Im Grundsatz geht es oft darum, dass Sie die Verbindung zwischen Ihren Kernkompetenzen und den heutigen bzw. den künftigen Bedürfnissen der Unternehmung herstellen und sich als Lösung offerieren.
 
Benutzen Sie grundsätzlich alles was sich Ihnen anbietet als Informationsquelle und versuchen Sie weiter zu denken. Tönt einfach – und ist es oft auch. In früheren Vorträgen brachte ich den Zuhörenden jeweils ein Fantasiebeispiel, wie folgt: Stellen Sie sich vor Sie lesen den Wirtschaftsteil Ihrer Lokalzeitung und dort steht, dass die Firma XYZ AG, welche als Konzern nicht nur für Ihren Wohnort von Bedeutung ist, z.B. die Produktionssparte einer Unternehmung im Ausland gekauft hat und die Aktivitäten nun am Hauptsitz – Ihrem Wohnort – konzentrieren will. Sie können sich nun darüber freuen, dass es der Unternehmung offenbar gut geht oder Sie verweilen noch einen Moment bei der Info und stellen fest, dass die Firma in näherer Zukunft zusätzliches Personal benötigen wird und zwar von der Reinigungskraft bis hin zum Produktionsleiter. Irgendwo dazwischen befindet sich auch die Tätigkeit, welche Ihre Expertise benötigt. Vorschlag: Warum kontaktieren Sie nicht einfach den zuständigen Projektleiter oder alternativ GL-Mitglied und bewerben sich aktiv? Die ganze Rekrutierung beginnt vielleicht erst in einem halben Jahr oder später. Damit wird dem Antwortschreiben sicherlich kein Musterarbeitsvertrag beiliegen, aber Sie haben sich frühzeitig ins Gespräch gebracht, der Name ist nun bekannt und warum soll zu gegebenem Zeitpunkt die zuständige Person einen teuren Rekrutierungsprozess für die entsprechende Position starten, wenn die optimale Lösung bereits vorliegt?
 
 
3.   Der abschliessende Block: Innerhalb dieses Blockes sollen Sie einen vernünftigen Abschluss finden. Sie schaffen Verbindlichkeiten indem Sie beispielsweise ausformulieren, dass Sie gerne für vertiefende Fragen bereitstehen, eine Arbeitsprobe bereit sind zu liefern oder sich in 10 Tagen telefonisch melden. Die Kommunikation weiterer und situativ angepasster Positionen ist natürlich Ihnen überlassen und sicherlich sinnvoll zielführend.
 
 
Das Motivationsschreiben wird wie alle anderen Positionen auch immer als PDF versandt.
 
 
 
 
Autor: Thomas Gehrig
 
tgm – thomas gehrig mentoring
 
CH-9200 Gossau
 
Web: www.t-g-m.ch
 
E-Mail: thomas.gehrig@t-g-m.ch
 



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